Bisherige Erfahrungen mit Twitter

Vorwort

Anfangs war ich entschiedener Twittergegner. Ich konnte den Hype und die Begeisterung um diesen Dienst nicht nachvollziehen. Was soll daran so toll sein, ein Aktivitätsprofil von sich im Internet zu veröffentlichen? (denn das entsteht nämlich, wenn man auf längere Zeit ständig allen erzählt was man gerade macht) Als ich mir dann noch das Profil von einem User ansah, der laut den Timestamps alle 30 Sekunden völlig belangloses Zeug gepostet hatte(trinke gerade eine Cola, ich mach jetzt mal den PC an und check meine E-Mails…etc), war die Sache gegessen: Wenn die Welt einfach wäre, dann käme Twitter jetzt in die Schublade Dinge die die Welt nicht braucht. Aber die Welt ist zu kompliziert als dass so ein Schubladensystem funktionieren würde, und wenn man sich eine Meinung zu einem Thema bilden will, muss man sich wohl oder übel mit dem Thema befassen. So testete ich Twitter. Und ich habe meine Meinung geändert.

Nüchtern betrachtet ist Twitter einfach eine Übertragungsmöglichkeit von Informationen. Und welche Informationen übertragen werden entscheidet doch der Nutzer! Somit kann man nicht generell sagen, ob ein Dienst sinnlos ist oder nicht, denn es kommt ja darauf an, wie man den jeweiligen Dienst nutzt. Deswegen hier ein paar Einsatzmöglichkeiten und ihre praktische Umsetzung.

Was man mit Twitter machen kann

Mit Twitter kann man vor allem sehr schnell und sehr zeitsparend (140 Zeichen tippen/lesen dauert ja nicht lange) Informationen verbreiten und Informationen einholen. Und zwar:

  • Linksharing: Wenn man kurz auf etwas Hinweisen will, dass man im Netz gefunden hat, aber keine Zeit/Lust hat oder es auch einfach nicht sinnvoll ist jetzt irgendwie einen riesigen Blogpost darüber zu schreiben dann twittert man es einfach.
  • Fotosharing: Mit Diensten wie TwitPic kann man auf die schnelle ein Foto hochladen und twittern. Alle Follower können sich das Bild anschauen, ohne dass man jetzt das Bild an alle möglichen Leute per E-Mail schicken oder gar darüber bloggen müsste.
  • Trends: Mit Twitter kann man hervorragend Trends analysieren, da gibt es diverse Dienste die die Tweets nach Schlagwörtern durchcrawlen. So kann man schön sehen was gerade so angesagt ist. Dann wären auch noch diese #Tags, mit denen man diesen Diensten helfen kann, den Inhalt eines Tweets zu erfassen und zu finden. Während ich diesen Post schreibe steigt gerade das Schlagwort mac mini steil nach oben. Kein Wunder, hat Apple doch heute den mini mit neuer Hardware versorgt.
  • (Um)Fragen: Wenn man die richtigen Follower hat, bekommt man auf eine kurze Frage oft schneller eine Antwort als z.B durch einen Forenthread. Gibt’s auch Dienste dafür, doch dazu später mehr…
  • Neue Blogeinträge: Man kann seine Leser automatisiert über neue Blogeinträge informieren, wenn man das möchte. Allerdings sei gesagt, dass ein Twitter-Channel nicht nur aus Blogeinträgen bestehen sollte. Denn dann könnte man gleich den Feed abonnieren.

Praktische Umsetzung: Dienste und Applikationen

Erst einmal muss natürlich ein Twitter-Account eingerichtet werden. Dies ist schnell erledigt, und dann kann man eigentlich schon lostwittern. Die Twitter-Webseite ist aber auf Dauer nicht wirklich geeignet. Darum gibt es Programme, die lokal auf den Rechner laufen und mit denen man fast alles machen kann, was man auch auf der Twitter-Seite machen kann.

Zuerst die Applikationen…

twhirl Twhirl:

Twhirl ist ein plattformübergreifender Twitter-Client, der auf Adobe Air aufsetzt und somit überall läuft, wo Adobe Air läuft, dass sind meines Wissens Windows, Mac OS X und Linux. Twhirl gibt’s kostenlos unter Twhirl.org und unterstützt neben Twitter auch noch den Lifestreamdienst friendfeed und laconia-basierte Microbloggingdienste. Das hässliche grün kann kann nebenbei im Accountverwaltungsbildschirm unter Farben z.B auf ein schönes Schwarz umstellen.

Twhirl kann @replies, Direct Messages und Favoriten anzeigen sowie nach Personen und Tweets suchen. Er bietet Unterstützung von TwitPic fürs Fotosharing und kann Links mit diversen Short URL-Diensten kürzen. Desweiteren zeigt er den Status der Twitter-API an, die ein wenig beschränkt in der Zahl der Anfragen/Stunde ist. Wahrscheinlich um Spam zu vermeiden.

Als Alternative zu Twhirl sei blu zu nennen, ein Twitter-Client, der um einiges schöner als Twhirl ist, dafür aber nicht so viele Funktionen hat. Er benötigt .NET 3.5 und läuft daher nur unter Windows.

TwitterFon TwitterFon:

TwitterFon ist ein Twitter-Client für iPhone OS, den es kostenlos im App Store gibt.

TwitterFon kann genau wie Twhirl @replies, Direct Messages und Favoriten anzeigen, Suchen machen und Bilder bei TwitPic hochladen. Außerdem kann er die Ortungsfunktion des iPhones benutzen und den Ort an einen Tweet anhängen. Diese Informationen kann TwitterFon auch dazu verwenden, Tweets von Usern in der Nähe der eigenen Position anzuzeigen. Das Programm hat auch einen integrierten Browser mit dem man Webseiten anzeigen kann, die man per Twitter als Link bekommen hat. Aus dem Browser heraus lässt sich die Webseite mit MobileSafari öffnen sowie per E-Mail als Link versenden.

Auch für TwitterFon gibt es eine Alternative: Twinkle. Nicht getestet.

 

…und schließlich die Dienste:

TwitPic:

Wie oben erwähnt ist TwitPic ein Dienst zum Bilder sharen. Man braucht sich nur mit seinem Twitter-Account einloggen und schon kann man ein Bild hochladen und dieses via Twitter durch eine Short URL verlinken. TwitterFon und Twhirl haben TwitPic gleich mit an Bord, ihr könnt den Dienst somit komfortabel mit eurem Client benutzen.

TwitterFeed:

Mithilfe von TwitterFeed könnt ihr automatisch einen Tweet posten lassen wenn im RSS-Feed eures Blogs ein neuer Eintrag auftaucht. Der Link zum Eintrag wird dann auch gleich in eine TinyUrl umgewandelt, sodass ihr Zeichen spart. Auch hier müsst ihr eure Account-Daten hinterlassen(!), der Login in den Dienst selbst funktioniert via OpenID.

Twist:

Twist hilft einem dabei, Trends in Twitter zu analysieren. Ihr könnt sehen welche Schlagwörter wie oft fallen und bekommt das ganze in einem Graphen veranschaulicht.

Twitterflohmarkt:

Den Dienst Twitterflohmarkt hat Basti von DigitalUpgrade ins Leben gerufen. Sinn des Dienstes ist es, wie der Name schon sagt, Dinge über Twitter zu verkaufen. Man braucht einfach nur dem User t_fm ein @Reply zu schicken, welches er dann retweeted. Dem t_fm folgen meistens mehr User als einem selbst und somit besteht eine höhere Chance, dass ihr eure Ware loswerdet.

TwtPoll:

TwtPoll ist ein Dienst bei dem man Umfragen erstellen und via Twitter verlinken kann. Ihr erstellt eine Umfrage, verschickt einen Link dazu via Twitter und eure Follower können dann durch klicken des Links an der Umfrage teilnehmen. Einfach, nicht?

TwitterCal:

Kürzlich kam von Robert Basic ein Tweet über TwitterCal rein. Mit diesem Dienst kann man über Twitter seinen Google Kalender befüllen und Benachrichtigungen empfangen. Man muss aber seinen Twitter-Passwort(!) und angeben und dem Dienst den Zugriff auf Google-Konto durch die Google-API erlauben(!). Ist halt eine heikle Sache wegen der Missbrauchsgefahr, und ehrlich gesagt nicht wirklich sinnvoll.

TinyUrl:

TinyUrl kennen wohl auch Nicht-Twitter-Nutzer. Der Dienst dient dazu URLs zu verkürzen, um Zeichen einzusparen. Es gibt noch andere Short URL Dienste wie z.B bit.ly. Welchen man nimmt, ist eigentlich Geschmackssache. Viele Twitter-Clients haben eine Unterstützung für TinyUrl und Konsorten schon integriert.

Fazit:

Alles allem kann ich sagen, dass Twitter ein vor allem schneller Dienst ist. Twitter wird aber nie Blogs ablösen können, was manche immer behaupten – denn in 140 Zeichen kann ich nie so viel sagen, wie ich es in einem Blogpost sagen könnte. Bei Twitter ist man auf externen Content anwiesen, sei es eine Verlinkung mit TinyUrl oder ein Bild per Twitpic. Twitter und Blogs sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, ergänzen sich aber Gegenseitig. Bei einem Blog kann ich ausführlich über ein Thema schreiben dass mich interessiert und mit Bildern oder Videos veranschaulichen. Bei Twitter kann ich schnell meine Followers über Dinge hinweisen, über die ich keine Lust oder Zeit habe zu bloggen, und ich kann mir schnell Informationen einholen. Wenn man herausfinden will ob einem Twitter zusagt, sollte man es wie ich machen – einfach mal ausprobieren. Euren Twitter-Account könnt ihr nebenbei wieder löschen, wenn euch Twitter nicht gefällt.

Meinen Twitter-Channel gibt’s übrigends unter http://twitter.com/FERNmann

Noch ein paar Links:

Auf die Twitter-Idee bin ich übrigends wegen einer Podcast-Episode gekommen, nämlich Show 33 von DigitalUpgrade, einem super Video-Podcast der alle drei “großen” Systeme behandelt (Windows, Mac OS X und Linux). Schaut euch doch mal ein paar Episoden an und wenn euch der Podcast gefällt, dann geht auf deren iTunes-Seite und gebt den Jungs Traumnoten ;)

Im UPLOAD-Magazin existiert auch ein sehr interessanter Artikel zum Thema Blogging, Twitter, Lifestreaming und dem Zusammenhang zwischen diesen dreien: http://bit.ly/11s30m

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Ein Gedanke zu “Bisherige Erfahrungen mit Twitter

  1. Tschüss, Twitter! « FERNmanns Blog

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