In einschlägigen Foren liest man ja oftmals Sätze wie “Mein Windows ist total zugemüllt, ich werd’s neu installieren”. Das Windows mit der Zeit zumüllt liegt nicht unbedingt an Windows selbst, sondern an Drittherstellern, welche nicht immer den hauseigenen Windows Installer verwenden, sondern irgendwelche Eigenentwicklungen nutzen, die Drittbibliotheken teilweise fehlerhaft und schlampig installieren, vom Deinstallationsprozess ganz zu schweigen.
Linux ist da mit seinem Paketmanager etwas weiter. Hier werden durch sogenannte Abhängigkeiten Librarys sauber installiert und können von anderen Programmen benutzt sowie zentral mit Sicherheitsupdates versorgt werden. Wird allerdings das Paket, welches die Abhängigkeit besaß, entfernt, so bleibt die Abhängigkeit auf dem System zurück. Nicht das dies großartig problematisch wäre, aber wenn ein Paket besonders viele Bibliotheken installiert hat (z.B weil es zu einem anderen Desktop als den benutzten gehört), verspürt man dennoch das Bedürfnis aufzuräumen – geht mir jedenfalls so.
Um verwaiste Bibliotheken aufzuspüren und zu entfernen, kann man deshalb das Tool deborphan einsetzen (für APT). Unter Ubuntu kann man das einfach über apt-get installieren:
$ sudo apt-get install deborphan
Um deborphan jetzt in Synaptic zu nutzen, muss unter benutzerdefinierte Filter mit Einstellungen->Filter->Neu ein neuer Filter angelegt werden. Diesen taufen wir einfach mal “Verwaist”, als Filterkriterium wählen wir – oh Wunder – Verwaist aus(die übrigen Checkboxen lassen wir leer).
Hier wurde die V8-Bibliothek gefunden – die JavaScript Engine von Google Chrome. Da ich diesen zuvor installiert und nach einem kurzen Test wieder deinstalliert hatte, verblieb V8 auf dem System.
Alternativ kann auch die GTK+-basierte Oberfläche gtkorphan benutzt werden. Diese bietet zusätzlich noch die Möglichkeit, nach Paketen mit zurückgelassenen Konfigurationsdateien zu suchen – was Synaptic aber schon von Haus drauf hat. Weiterhin kann die Suche über den “lib”-Bereich ausgedehnt werden, was aber wenig Sinn macht, da so alle Pakete angezeigt werden, die man selber und nicht durch das Auflösen von einer Abhängigkeit installiert hat – also auch Pakete wie banshee oder firefox, welche man normalerweise auch behalten möchte.
Beide Möglichkeiten sollte man mit Vorsicht genießen – schließlich kennt die Paketverwaltung nur Software, welche auch mit dieser installiert wurde. Selbstkompilierte Programme beispielsweise benötigen auch Dritt-Bibliotheken (das überprüft ja das configure-Skript) von denen Deborphan aber nichts weiß. Solche Programme könnten nach dem Einsatz von Deborphan also nicht mehr funktionieren.









