Veröffentlicht am 5. September 2010

Flattr und Open Source: Passt das zusammen?

In letzter Zeit erfolgte eine kontroverse Diskussion über den ubuntuusers-Planeten im Bezug auf die Frage, ob in jedem Beitrag Links zum Spendendienst flattr enthalten sein dürfen.

flattr will das Spenden stark vereinfachen. Wer sich bei flattr anmeldet, zahlt eine monatliche Gebühr. Anschließend kann diese Gebühr bei Blogs und anderen Websites gespendet werden, indem man auf den flattr-Button unter dem Blogpost klickt. Am Ende des Monats wird die Summe in soviele Stücke aufgeteilt, wie man den flattr-Button geklickt hat und auf die Blogger verteilt. am Besten erklärt es folgendes Video:

Man mag von flattr halten was man will, und es gibt im Netz viele Diskussionen darüber, ob flattr sinnvoll ist oder nicht, aber das soll gar nicht Thema dieses Beitrags sein. Fakt ist, dass es im Planeten einige Blogger gibt, die flattr benutzten und den flattr-Button auch im RSS-Feed eingebunden haben, sodass er dann auch im Planeten zu sehen ist. Dies kollidiert aber nach Meinung des ubuntuusers-Teams mit den Regeln (siehe Ikhaya-Eintrag):

„Werbung für Unternehmen, kommerzielle Produkte und Waren, Dienstleistungen, politische Parteien und extremistische Gruppierungen sowie Jobgesuche und -angebote sind nicht gestattet.“

Chris, der hinter dem Blog Linux und Ich steht (und dort hervorragende Artikel schreibt), gab daraufhin bekannt, dass seine Artikel zukünftig nicht mehr im Planeten erscheinen werden. In den Kommentaren entstand eine heftige Diskussion und auch Martin (der auch hervorragende Artikel schreibt) äußerte sich in seinem Blog darüber.

Einige Leute vergleichen Blogger, die flattr einsetzen, mit kostenpflichtigen Supportern, die sich auf Kosten der Community die Taschen vollstopfen und den Grundgedanken von Open Source untergraben würden, während andere es völlig in Ordnung finden, dass sich Menschen, die freiwillig Zeit investieren, um Content für die Community zu generieren, auch dafür entlohnt werden.

Im Grunde ist es eine ähnliche Diskussion wie damals vorm Release von Ubuntu 10.04. Dort hat Canonical das Design seiner Distribution radikal überarbeitet, dieser Umstand zusammen mit der Tatsache, dass mit Ubuntu auch weitere kostenpflichtige Dienste wie Ubuntu One angeboten werden, führten zu einer ähnlichen Diskussion mit ähnlichen Argumenten. Die Kernfrage lautet eigentlich: Kann man Freiheit und Kommerz vereinen?

Damals hatte ich auch schon einen Artikel darüber geschrieben und ich bleibe bei meiner Aussage: Ja, kann man! Viel zu oft wird von Befürwortern von Open Source betont, dass freie Software nicht mit Freibier gleichzusetzen sei, sondern mit Freiheit und man damit auch Geld verdienen könne (Red Hat sei hier als Beispiel genannt).

Wegen der GPL und anderen Lizenzen kann man freie Software nicht genauso wie proprietäre Software verkaufen, weswegen meist Geld mit Zusatzleistungen verdient wird, z.B Support, oder, im Falle von Canonical, mit zusätzlichen Diensten, bei dem man gegen Geld zusätzlichen Online-Speicher oder Musik erhält.

Bei den Blogbeiträgen ist es ähnlich: Jeder darf sie lesen, und oftmals stehen sie auch unter ein freien Lizenz wie Creative Commons, dass dem Nutzer das weiterverbreiten oder verändern der Inhalte erlaubt. Mit flattr, Paypal und anderen Spendendiensten besteht zusätzlich die Möglichkeit, dem Blogger für seine Arbeit zu danken und Geld zu verteilen. Die Einnahmen durch Spenden fallen nicht immer groß aus, wenn man Glück hat, reicht es, um die Serverkosten zu decken, aber von Geld verdienen im Stile eines kommerziellen Unternehmens kann keine Rede sein.

Anders wäre es, wenn Blogger ihre Beiträge hinter einer Paywall verstecken würden, d.h dass man sie nur gegen Geld lesen kann. Dies würde denn Open Source Gedanken widersprechen, weil die Arbeit nicht an die Community, sondern nur an einen Kreis von zahlenden Kunden weitergegeben wird. In diesem Falle muss man zahlen, im Falle von flattr kann man zahlen, wenn man will. Die Artikel an sich ist immer noch frei.

Ein anderer Punkt ist die Werbung. Hier könnte man wirklich eine Kollision mit der oben zitierten Regel sehen, denn flattr ist ein kommerzieller Dienst (behält schließlich 10% der Einnahmen), und ein flattr-Link ist indirekte Werbung für flattr – die Regeln verbieten jegliche Werbung. Wenn man diese Argumentationkette zuende denkt, müsste man viel mehr verbieten als nur flattr-Links. Wenn ein Blogger z.B seine Meinung über Ubuntu One schreibt, dann lesen viele Leute den Namen Ubuntu One, den Namen eines kommerziellen Dienstes, und der Name prägt sich unbewusst im Gedächtnis ein. Und wenn man irgendwann einen Cloud-Speicherdienst sucht wird man sich vielleicht an Ubuntu One erinnern und deswegen diesen Dienst nutzen – indirekt war das also Werbung. Blogger sind nunmal Multiplikatoren, weswegen viele Firmen auch Blogger auf ihre Angebote aufmerksam machen, weil sie genau wissen, dass ein Blog eine größere Reichweite haben kann als irgendeine Werbekampagne.

Man muss sich also überlegen, wo man die Grenze zieht. Würde man den Planet-Bloggern verbieten, den Namen von kommerziellen Projekten zu nennen, dann könnte man nur noch sehr eingeschränkt bloggen. Niemand könnte mehr bloggen, wie man seine Onboard-Grafik von Intel unter Ubuntu zum laufen kriegt, ohne (Negativ-)Werbung für Intel zu machen. Und über Aktionen wie das Humble Indie Bundle darf auch niemand mehr schreiben.

Die Regel zum Verbot von Werbung ist richtig und wichtig, niemand möchte, das Forum oder Planet mit Werbung vollgespamt werden, denn das wäre eine ziemliche Zweckentfremdung. Der Zweck von ubuntuusers.de ist es, anderen Menschen zu helfen – und darum ist die Intention eines Forenpostes oder eines Blogartikels wichtig. Wenn ein Artikel dazu dient, andere Ubuntu-Nutzer bei ihren Problemen zu helfen und nütztliche Informationen weiterzuverbreiten, dann ist der Artikel gut, auch wenn darin der Markenname irgendeines Produkt vorkommt. Dient der Artikel aber dazu, Werbung für ein bestimmtes Produkt zu machen und damit Geld zu verdienen, wie etwa ein Trigami-Review, dann hat der Artikel nichts im Planeten verloren.

Viele von Freiwilligen erzeugte Inhalte im Wiki, im Forum und im Planeten haben mir und vielen weiteren Usern schon weitergeholfen. Ich halte es nicht für verkehrt, wenn die Schreiber eine einfache Möglichkeit bereitstellen, ihnen für diese Inhalte zu danken. Niemand möchte sich an der Community bereichern, sondern es soll sichergestellt werden, dass die großartige Arbeit von Freiwilligen auch in der Zukunft bestehen kann. Wenn im Gegenzug dafür am Ende des Beitrags ein Link steht, der den Namen eines kommerziellen Dienstes trägt, dann ist das akzeptabel.

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