Dies ist der zweite Teil der Serie Linux leicht gemacht. Der erste Teil ist bei JUICEDBlog verfügbar.
Die Paketverwaltung
Nachdem man Ubuntu installiert hat, will man bestimmt weitere Software installieren. Dies funktioniert unter Linux ein wenig anders. Unter Windows ist es üblich, ein Programm von einer Webseite herunterzuladen. Man erhält dann meist eine .exe-Datei, die ein Installationsprogramm enthält, welches das eigentliche Programm dann an die richtigen Stellen im System verteilt.
Unter Linux geht so etwas auch, allerdings wird das selten gemacht. Für gewöhnlich startet man einfach ein Programm, das Paketverwaltung heißt, gibt den Programmnamen ein und klickt auf Installieren. Das Entfernen geht genauso, nur, dass man eben auf Entfernen klickt.
Dabei bezieht die Paketverwaltung die Software aus einer Paketquelle. Eine Paketquelle ist eine Softwaresammlung auf einem Server oder einer CD. Die Paketquelle stellt eine Liste von Programmen bereit, außerdem bietet sie diese Programme zum Download an. Die Paketverwaltung schaut also nach, ob ein Programm mit diesem Namen existiert, und lädt es von der Paketquelle automatisch herunter.
Unter Ubuntu ist normalerweise nur eine Standard-Paketquelle aktiviert, die von Canonical und der Ubuntu-Community betrieben wird. Dort findet sich alle mögliche Software, wie Firefox, Thunderbird, OpenOffice oder GIMP. Der Vorteil ist, dass man nicht erst nach einem Programm suchen muss, sondern es durch Eingabe des Namens direkt von einer vertrauenswürdigen, sicheren Quelle herunterladen kann. Kennt man den Namen nicht, so kann man in den Kategorien stöbern. Updates werden so auch erleichtert: Die Paketverwaltung informiert einen darüber, ob eine neue Version einer Software verfügbar ist und bietet ein Update an (System->Systemverwaltung->Aktualisierungsverwaltung). Das klappt für Betriebssystem und Programme. Das Konzept ist mit dem des App Stores des iPhones vergleichbar.

Möchte man Software installieren, die nicht in den offiziellen Quellen vorhanden ist, so kann man eine weitere Quelle einbinden. Allerdings sollte man das nur machen, wenn es absolut notwendig ist. Die Fremdquelle kann die Sicherheit und die Stabilität des Systems beeinträchtigen. Einige Quellen werden von normalen Nutzern betrieben, meist ohne böse Absicht. Es ist jedoch kein Problem, auch Schadsoftware darüber zu verteilen. Ist ersichtlich, dass die Paketquelle von vertrauenswürdigen Leuten betrieben wird, z.B von einer Firma wie Oracle im Beispiel unten, so ist das OK. Die Stabilität ist in Gefahr, wenn die Quelle Updates für Systemkomponenten enthält wie den Kernel oder den X-Server (die Software, die unter Linux für die Grafik zuständig ist. Ist sie kaputt -> kein Bild). Dann kann es sein, dass das System nicht mehr startet, weswegen man auf solche Basteleien lieber verzichten sollte. Ein nette Geschichte zu dem Thema ist in diesem Ikhaya-Artikel zu finden.

Möchte man nun so eine Quelle hinzufügen, so benötigt man die APT-Zeile, die es auf der Webseite der Quelle gibt. Beispiel für die Virtualisierungslösung VirtualBox:
deb http://download.virtualbox.org/virtualbox/debian lucid non-free
Das “lucid” am Ende gibt an, dass die Quelle für die aktuelle Ubuntu-Version, 10.4 Lucid Lynx gedacht ist. “non-free” gibt den Bereich an, in diesem Fall ist es der unfreie Bereich, da diese Quelle die unfreie Version von VirtualBox anbietet.
Zusätzlich sollte man auch den GnuPG-Schlüssel der Quelle hinzufügen. Dieser stellt die Identität der Quelle und dessen Software sicher. Wie man das macht, steht meist auf der Webseite der Paketquelle. Bei Paketquellen von der Entwickler-Plattform Launchpad wird der Schlüssel automatisch importiert.
Proprietäre Software: Multimedia-Codecs und Treiber
Viele Linux-Software ist freie Software, aber es gibt natürlich auch proprietäre Programme. Nicht jeder Entwickler ist gezwungen, sein Programm unter eine Open Source Lizenz zu stellen, nur weil er für Linux entwickelt. Manche Software ist unter Umständen von Patenten betroffen, so dass ihr Einsatz in einigen Ländern möglicherweise nicht ganz legal ist. Dies ist beispielsweise der MP3-Codec. Natürlich können auch MP3s unter Linux angehört werden. Da man für Linux normalerweise kein Geld zahlt, zahlt man logischerweise auch nicht irgendwelche Patentgebühren mit, wie das bei kostenpflichtiger Software der Fall sein kann.
Unter Ubuntu gibt es zwei Paketquellen, die proprietäre oder von Patenten belastete Software enthält. Das wäre einmal die Multiverse und einmal die Partner-Quelle. Unter System->Systemverwaltung->Software-Paketquellen muss man unter dem Tab Software von Ubuntu die Option Urheberrechtlich eingeschränkte Software (multiverse) aktivieren. Die Partner-Quelle befindet sich unter Andere Software. Nach einem Neueinlesen der Quellen kann mit der Installation begonnen werden.
Die Faulen können sich jetzt einfach das Meta-Paket
installieren. Dann werden die ganzen Codecs, Flash usw. auf einmal installiert. Wer jedoch genau festlegen will, was er braucht, der kann sich die Pakete auch einzelnen installieren:
- adobe-flashplugin oder flashplugin-installer: Der Flash-Player, wie man ihn von Windows her kennt.
- sun-java6-jre: Die offizielle Java-Runtime von Sun/Oracle.
- openjdk-jre: Auch eine Java-Runtime, allerdings Open Source. Funktioniert genauso wie obige, manche Applets und Programme machen aber Probleme.
- acroread: Der Adobe Reader. Ubuntu bringt mit Evince bereits einen PDF-Reader mit, für komplexe PDFs kann man den Adobe-Reader verwenden.
- gstreamer0.10-fluendo-plugins-mp3-partner: Codec, um sich MP3s anhören zu können. Legal, weil von Canonical lizenziert.
- skype: Die bekannte VoIP-Software.
- unrar: RAR-Dateien entpacken.
Falls man irgendeinen Codec vergessen hat, ist dies auch nicht weiter schlimm: Falls der Video-Player Totem eine Datei abspielen soll, für die er keinen Codec hat, so bietet er die Installation automatisch an.
Nun zu den Treibern. Die meisten Treiber sind Open Source. Diese sind oft Bestandteil des Kernels und werden bei Ubuntu mitgeliefert. Die Hardware läuft „out-of-the-box“, also gleich nach der Installation. Für manche Hardware, besonders Grafikkarten, müssen proprietäre Treiber installiert werden.
Benutzer von ATI-Karten haben drei Treiber zur Verfügung: radeon (frei), radeonhd (frei) und fglrx (unfrei). Für Nvidia-Benutzer gibt es ebenfalls drei Treiber: nv (frei), nouveau (frei) und nvidia (unfrei). Normalerweise wird ein freier Treiber vorinstalliert. Leider sind diese Treiber oft langsamer als die unfreien, hersteller-eigenen Treiber, oder man kann Funktionen wie 3D ohne den unfreien Treiber gar nicht nutzen.
Um auf einen unfreien Treiber umzustellen, gibt es unter Ubuntu ein extra Programm. Dies öffnet man mit System->Systemverwaltung>Hardware-Treiber. Dort wird dann angezeigt, welche proprietären Treiber für den Computer verfügbar sind, außerdem kann man sich die gleich installieren. Dabei wird die Paketverwaltung genutzt.
Was bedeutet /media oder /usr? – die Verzeichnisstruktur
Unter Windows ist man die Laufwerksbuchstaben gewohnt. Die Systempartition befindet sich unter C:\, das Diskettenlaufwerk unter A:\ und das CD-ROM-Laufwerk unter D:\. Auch externe Festplatten und USB-Sticks kriegen einen Buchstaben zugewiesen.
Unter Linux funktioniert das anders. Dort gibt es nur einen einzigen Verzeichnisbaum mit der Wurzel “/”. “/” ist die Systempartition. Weitere Partitionen können als Ordner in den Verzeichnisbaum eingehängt werden. Legt man eine CD ein, findet sich der Inhalt unter /media/cdrom0 wieder (manchmal wird cdrom0 auch durch den Namen der CD ersetzt). Es ist auch möglich, Datenträger von entfernten Rechnern (FTP z.B) als Ordner einzuhängen. All das mag einen Windows-User erst verwirren, so waren früher Ordner doch immer Bestandteil eines Laufwerks, und es fing auch nie irgendwo ein neues Laufwerk an.
Vorteil ist, dass man sich seine Partitionierung komplett selbst gestalten kann. Viele Leute legen ihre eigenen Daten auf einer extra Partition ab, damit sie nach einer Neuinstallation noch vorhanden sind. Unter Windows gibt es die “Eigenen Dateien”. Diese liegen für gewöhnlich irgendwo unter C:\. Erstellt man nun eine neue Partition, z.B unter E:\ für seine Dateien, dann speichern Programme die Dateien immer noch in den “Eigenen Dateien”.
Linux-User haben das Problem nicht. Der persönliche Ordner liegt unter /home/Benutzername. Möchte man sein Home-Verzeichnis nun auf einer anderen Partition haben, so erstellt man bei der Installation eine zusätzliche Partition und gibt als “Einhängepunkt” /home an. Dadurch landet alles, was in den Ordnen unter /home gespeichert wird, automatisch auf der neuen Partition. Es ist sogar möglich, dies nach der Installation zu machen. Das geht deshalb, weil sich aus Sicht der Programme nichts ändert. Sie greifen einfach auf /home zu und bekommen ihre Daten. Auf welcher Partition diese liegen, darum müssen sie sich nicht kümmern.
Ich habe mit /media und /home schon zwei Standard-Verzeichnisse aufgeführt. Es gibt aber noch weitere, diese sind mit dem File Hierarchy Standard für alle Distributionen definiert:
- /boot: enthält zum booten benötigte Dateien
- /bin und /sbin: enthalten Programme, die wichtige Aufgaben übernehmen, wie cp für das Kopieren einer Datei oder shutdown für das Herunterfahren
- /dev: enthält Gerätedateien, über die Geräte angesprochen werden können
- /etc: enthält Einstellungen und Konfigurationsdateien
- /lib: enthält essentielle Bibliotheken
- /lost+found: ist bei jeder Linux-Partition vorhanden, enthält Dateifragmente, die bei einer Überprüfung/Reparatur des Dateisystems gefunden wurden
- /mnt: temporär eingehängte Geräte
- /tmp: Temporäre Dateien
- /opt: optionale Software, die nicht mit der Paketverwaltung installiert wurde
- /proc und /sys enthalten Dateien, die laufende Prozesse repräsentieren und Schnittstellen zu Kernelfunktionen
- /root: Home-Verzeichnis für den Benutzer root, dem Superuser unter Linux
- /usr: enthält durch die Paketverwaltung installierte Programme und Bibliotheken
- /var: enthält Protokolle und Daten von Diensten
Der letzte Teil der Serie ist wieder bei JUICEDBlog zu lesen.